Obstbäume pflanzen – Schritt für Schritt zum gesunden Obstbaum
Mit der Pflanzung eines Obstbaums treffen Sie eine Entscheidung für viele Jahre oder gar Jahrzehnte. Aus einem Jungbaum entwickelt sich mit der Zeit ein zentraler Bestandteil Ihres Gartens. Ein Blütentraum im Frühjahr, ein Schattenspender im Sommer und das regelmäßige eigene Obst direkt aus dem eigenen Garten.
Schritt für Schritt zur PflanzungGanz grundsätzlich folgen Apfel-, Birnen-, Kirsch-, Pflaumen- und auch Walnussbäume denselben Pflanzregeln. Je nach Obstart und Wuchsform gilt es jedoch einige Besonderheiten zu beachten.
Welcher Obstbaum passt an seinen Platz?
Noch bevor der erste Spatenstich erfolgt, lohnt sich ein Blick auf den späteren Platzbedarf der Obstpflanze. Ein Obstbaum wächst ja nicht nur in die Höhe. Im Verlauf der Jahre entwickelt sich auch seine Krone und beansprucht mehr und mehr Raum im Garten.
Die Wuchsform und die bei der Anzucht verwendete Unterlage beeinflussen dabei ganz wesentlich, wie groß ein Baum wird und wie er sich ausprägt. Folgerichtig eignen sich kleinere Baumformen dann, wenn nur eine begrenzte Gartenflächen zur Verfügung steht. Ein Hochstamm hingegen kann einen großen Garten und auch eine Streuobstwiese über Jahrzehnte prägen.
Auch den Abstand zum Haus, etwaigen (öffentlichen) Wegen, anderen Bäumen und Grundstücksgrenzen können dann eine Rolle spielen.
Wer die spätere Größe des Baumes bereits bei der Pflanzung berücksichtigt, erhält ihm den Raum, den er für seine Entwicklung benötigen wird.
Mehr über Baumformen, Platzbedarf und die Wahl des passenden Obstbaums erfahren Sie in unserem Ratgeber „Den passenden Obstbaum finden“.
Wann ist die beste Pflanzzeit?
Unsere Containerpflanzen bieten Ihnen bei der Pflanzzeit besonders viel Freiheit. So können Sie unsere Pflanzen während der gesamten frostfreien Zeit bedenkenlos einpflanzen.
Besonders günstig ist aus unserer Sicht der Herbst. Der Boden ist dann noch warm, die Luft aber bereits kühler und damit stressarm. Der Obstbaum kann jetzt seine Wurzeln in aller Ruhe durch den ihn umgebenden Boden wachsen lassen und ist dann im Frühjahr bestens vorbereitet um in die neue Vegetationsperiode zu starten.
Aber auch das zeitige Frühjahr eignet sich sehr gut für die Pflanzung. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit etwas höher, dass Sie in den ersten Monaten etwas mehr Aufmerksamkeit bei der Wasserversorgung walten lassen.
Auch einer Pflanzung im Sommer steht grundsätzlich nichts im Wege. Allerdings kommt der Wasserversorgung während dieser Jahreszeit eine besondere Bedeutung zu. Den jungen Baum sollten Sie dann schon regelmäßig und gründlich wässern, um der Austrocknung des Wurzelballens vorzubeugen.
Den richtigen Standort wählen
Der von Ihnen gewählte Standort prägt die Entwicklung des Obstbaums über viele Jahre. Die allermeisten Obstgehölze gedeihen an einem sonnigen Platz mit einem gut durchlässigen Boden am besten.
Bei der Baumentwicklung spielen mehrere Faktoren zusammen:
Während die Sonne die Früchte ausreifen lässt und die Entwicklung ihres sortentypischen Aromas unterstützt, schafft ein durchlässiger Boden gute Bedingungen für die Wurzeln. Gleichzeitig berücksichtigt der Standort einen ausreichenden Raum für die spätere Krone, wenn der Baum ausgewachsen ist.
Beim Platzbedarf gibt es zwischen den Obstarten deutliche Unterschiede zu beachten. Die allermeisten Walnussbäume entwickeln sich zu stattlichen Bäumen und benötigen entsprechend viel Raum. Bei Äpfeln, Birnen und Pflaumen stehen dagegen auch zahlreiche kleinere Wuchsformen zur Auswahl, die sich gut für begrenzte Gartenflächen eignen.
Ausführliche Informationen finden Sie im Ratgeber „Obstbäume: Der richtige Standort und Boden“.
Das Pflanzloch vorbereiten
Sobald Sie den richtigen Standort ausgemacht haben, bereiten Sie das Pflanzloch vor.
Achten Sie jetzt darauf das Pflanzloch großzügig auszuheben. Es sollte etwa doppelt so breit sein als der Container. Damit unterstützen Sie das Wurzelwachstum und vereinfachen es der Pflanze sich im lockeren Boden auszubreiten, in den sie hineinwächst.
Zudem sollten Sie auch die Sohle des Pflanzlochs aufbrechen und lockern. So erleichtern sie es den jungen Wurzeln ihren Weg in die Tiefe zu finden. Dies führt am Ende zu einem besseren Stand und die jungen Wurzeln können schneller in tiefere Bodenschichten vordringen und sich dort selbst mit Wasser versorgen.
Bei schweren, lehmigen Böden können Sie dem Aushub zusätzlich reifen Kompost beimischen. Stark verdichtete Böden sollten Sie vor dem Pflanzen besonders gründlich und ausgreifend lockern. Wichtig ist dabei, dass das Pflanzloch am Ende nicht wie ein Gefäß wirkt, es darf sich keine Staunässe bilden können. Das Wasser muss aus dem Pflanzbereich abfließen können. Bei Staunässe hilft jedoch auch die beste Pflanzerde nicht weiter. Wenn das Wasser nach Regen längere Zeit im Boden zu stehen droht, ist ein anderer Standort für Ihren Obstbaum meist die bessere Wahl.
Den Obstbaum richtig einsetzen
Vor dem Pflanzen ist es ratsam den Container gründlich zu wässern. So stellen Sie dem Baum von Anfang an ausreichend Feuchtigkeit zur Verfügung.
Nehmen Sie nun den Obstbaum vorsichtig aus dem Container ohne das Wurzelwerk zu schädigen. Bei einem stark durchwurzelten Ballen können Sie die äußeren Wurzeln durchaus etwas lockern. So unterstützen sie den Jungbaum sich schneller in seiner neuen Umgebung zu etablieren, denn die Wurzeln finden dadurch leichter ihren Weg in den umgebenden Boden.
Setzen Sie den Baum nun in das vorbereitete Pflanzloch.
Entscheidend ist hier nun die richtige Pflanztiefe. Der Baum sollte in etwa so tief stehen wie zuvor im Container. Die Oberfläche des Wurzelballens liegt dann etwa auf Höhe des umgebenden Bodens.
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Veredelungsstelle. Sie finden diese am unteren Stamm. Sie ist als Verdickung oder Übergang deutlich erkennbar. Die Veredelungsstelle ist eine sehr hilfreiche Orientierung, denn sie sollte deutlich über der Erdoberfläche bleiben.
Einen Pflanzpfahl setzen
Ein Pflanzpfahl gibt dem jungen Obstbaum in den ersten Standjahren zusätzlichen Halt. Insbesondere bei größeren Obstgehölzen und an windoffenen Standorten ist eine stabile Verankerung sehr sinnvoll und wertvoll. Es gilt: Je größer der Baum, umso wichtiger ist eine stabile Verankerung!
Setzen Sie den Pfahl bereits vor dem endgültigen Auffüllen des Pflanzlochs. So schonen Sie die Wurzeln und den Ballen ganz gezielt und vermeiden die Gefahr der Wurzelschädigung.
Ein Abstand von etwa 10 bis 15 Zentimetern zum Stamm hat sich bewährt. Anschließend wird der Baum mit einem geeigneten, elastischen Bindematerial am Pfahl befestigt. Ein Kokosstrick (Kokosgarn) eignet sich hierfür besonders gut. Er schenkt dem Stamm den Raum sich ein wenig bewegen zu können und schont zugleich die junge Rinde.
Das Pflanzloch auffüllen
Nun füllen Sie das Pflanzloch mit dem vorhandenen Boden wieder auf.
Die Erde sollte dabei locker zwischen die Wurzeln gelangen. Ein nur leichtes Antreten sorgt im Nachgang dafür, dass der Wurzelballen einen guten Kontakt zum umgebenden Boden erhält.
Bei schweren Böden ist dabei etwas Zurückhaltung geboten. Zu starkes Verdichten würde dann den Boden nur unnötig belasten.
Formen Sie im Anschluss rund um den Baum einen etwa 5 bis 10 Zentimeter hohen Erdwall. Dieser sogenannte Gießrand sollte zwei bis vier Handbreit vom Stamm entfernt rund um den Wurzelbereich verlaufen. So stellen Sie sicher, dass das Gießwasser nicht seitlich ablaufen kann. Es versickert dann dort, wo es gebraucht wird. Gerade bei frisch gepflanzten Bäumen ist das ein hilfreicher Trick, weil das Wasser dann nicht seitlich ablaufen, sondern zielgerichtet dort versickert, wo es gebraucht wird.
Den Obstbaum gründlich angießen
Nach dem Pflanzen erhält der Obstbaum reichlich Wasser. Das ist auch dann ratsam, wenn der Boden bereits feucht zu sein scheint.
Durch das gründliche Angießen schließt sich der Boden eng an den Wurzelballen an. Gleichzeitig werden kleinere Hohlräume geschlossen.
Gerade in den ersten Wochen ist die Wasserversorgung entscheidend dafür, wie gut sich der Baum an seinem neuen Platz etabliert. Insbesondere bei warmem und trockenem Wetter sollte deshalb regelmäßig kontrolliert werden, ob der Boden noch ausreichend feucht ist.
Ein einmaliges gründliches Wässern ist dann zu bevorzugen. Die intensive Befeuchtung ist wertvoller als immer wieder kleinere Wassergaben zu geben.
Der Pflanzschnitt
Ob ein frisch gepflanzter Obstbaum einen Pflanzschnitt erhält, hängt von Baumform, Alter und Kronenaufbau ab. Nicht jeder Obstbaum benötigt unmittelbar nach der Pflanzung auch einen Rückschnitt.
Zwar unterstützt ein gezielter Schnitt bei manchen Bäumen den Aufbau einer harmonischen Krone. Bei den meisten ist aber zunächst die Entwicklung am neuen Standort wichtiger.
Wann ein Pflanzschnitt sinnvoll ist und wie Sie dabei vorgehen, erfahren Sie in unserem Ratgeber „Obstbäume schneiden“.
Was kommt nach der Pflanzung?
Mit dem Einpflanzen beginnt nun die natürliche Entwicklung des Obstbaums.
In den ersten Standjahren wächst sein Wurzelsystem weiter und die Krone gewinnt nach und nach an Form. Eine dem Wetter angepasste Wasserversorgung und ein passender Schnitt begleiten sein Wachstum.
Mit jedem Jahr wird so aus dem jungen Baum der Obstbaum, den Sie sich für Ihren Garten gewünscht haben. Die ersten Blüten machen die Entwicklung sichtbar. Später folgen die Früchte und schließlich die ersehnte eigene Ernte.
Weitere Informationen zur Entwicklung und Pflege finden Sie in unseren Ratgebern „Obstbäume schneiden“ und „Obstbäume bestäuben“.
Einen neuen Obstbaum an derselben Stelle pflanzen
Manchmal wünscht man sich, dass ein alter Obstbaum einem neuen Platz macht. Dann liegt es oft nahe, den neuen Baum genau dort zu pflanzen, wo der Alte über viele Jahre gewachsen ist. Das ist grundsätzlich möglich, verlangt aber etwas mehr Vorbereitung und es sollte abgewägt werden, ob nicht eine ganz andere Obstart sinnvoller ist, also bspw. statt Steinobst dann Kernobst zu pflanzen.
Zunächst sollten Sie in jedem Fall den alten Baum vollständig entfernen. Dazu gehört insbesondere auch der Wurzelstock. Entfernen Sie zudem möglichst viele der stärkeren Wurzeln, die den Boden durchziehen. Sie stören den jungen Baum nicht nur beim etablieren seiner eigenen Wurzeln, sondern können auch die Entwicklung des neuen Wurzelsystems erschweren.
Bei Obstbäumen kann zusätzlich eine sogenannte Bodenmüdigkeit auftreten, die sog. Nachbaukrankheit. Sie entsteht meist dann, wenn über viele Jahre dieselbe oder eine verwandte Obstart am gleichen Standort gewachsen war. Besonders bei Apfel, Birne, Quitte, Kirsche und Pflaume kann das Anwachsen eines neuen Baumes dadurch erheblich erschwert werden.
Am besten ist deshalb ein neuer Standort. Wenn der neue Obstbaum aber unbedingt an der bisherigen Stelle wachsen soll, sollten Sie vorab den Boden großzügig austauschen. Entfernen Sie dazu die Erde aus dem ehemaligen Wurzelbereich und ersetzen Sie sie durch frischen, geeigneten Gartenboden. So schenken Sie dem jungen Baum wieder einen möglichst unbelasteten Wurzelraum.
Wichtig: Pflanzen Sie den neuen Obstbaum nicht einfach in den alten Wurzelstock oder in ein Loch, in dem noch größere Wurzeln des Vorgängers liegen. Je gründlicher Sie den Wurzelstock und stärkere Wurzeln entfernen, desto bessere Bedingungen schaffen Sie für den neuen Baum.
Wenn der alte Baum aufgrund einer Krankheit oder eines starken Schädlingsbefalls entfernt werden musste, sollte außerdem geprüft werden, ob dieselbe Obstart erneut an diesem Standort gepflanzt werden sollte. Bestimmte bodenbürtige Krankheitserreger können im Boden verbleiben.
Wenn Sie unbedingt am bisherigen Standort bleiben möchten, ist es sinnvoll, eine andere Obstart zu wählen und den neuen Baum um ein, zwei Meter versetzt zu pflanzen. Entfernen Sie zunächst den alten Wurzelstock und möglichst viele der verbliebenen stärkeren Wurzeln. Tauschen Sie dann die Erde im ehemaligen Wurzelbereich großzügig gegen frischen Gartenboden aus. So schaffen Sie gute Voraussetzungen dafür, dass sich der neue Obstbaum am angestammten Platz ungestört entwickeln kann.
Häufige Fragen zum Pflanzen von Obstbäumen
Wann pflanzt man Obstbäume am besten?
Containerpflanzen können Sie während der gesamten frostfreien Zeit pflanzen. Besonders günstig sind Herbst und zeitiges Frühjahr. Auch eine Sommerpflanzung ist möglich, wenn sichergestellt werden kann, dass der Baum mit ausreichend Wasser versorgt wird.
Kann ich einen Obstbaum im Sommer pflanzen?
Ja. Containerpflanzen lassen sich auch im Sommer gut pflanzen. In den warmen Monaten sollten Sie dann besonders auf eine gleichmäßige Wasserversorgung achten.
Wie groß sollte das Pflanzloch sein?
Das Pflanzloch sollte deutlich breiter als der Container sein. Der Boden rund um den Wurzelballen wird dadurch gelockert und die neuen Wurzeln finden leichter ihren Weg in den Gartenboden.
Wie tief wird ein Obstbaum gepflanzt?
Der Obstbaum sollte ungefähr so tief stehen wie zuvor im Container. Die Veredelungsstelle bleibt deutlich oberhalb der Erdoberfläche.
Braucht jeder Obstbaum einen Pflanzpfahl?
Nein, nicht jeder Obstbaum benötigt zwingend einen Pfahl. Besonders größere Bäume und Bäume an windoffenen Standorten profitieren jedoch von einer guten Verankerung erheblich während der ersten Standjahre.
Wann trägt ein neu gepflanzter Obstbaum die ersten Früchte?
Das hängt sowohl von Obstart, Sorte, Unterlage und Baumform ab. Schwächer wachsende Obstbäume kommen dann meist früher in den Ertrag. Stark wachsende Bäume benötigen zunächst mehr Zeit und Energie für ihre eigene Entwicklung. Unsere veredelten Obstbäume tragen meist nach 2 bis 4 Jahren.
Kann ich nach einem alten Obstbaum wieder einen neuen pflanzen?
Das ist grundsätzlich möglich. Bei Obstarten wie Apfel, Birne, Quitte, Kirsche und Pflaume sollte dabei die sogenannte Bodenmüdigkeit berücksichtigt werden. Ein neuer Standort ist häufig die bessere Wahl. Wenn der Baum am bisherigen Platz wachsen soll, sollte der Boden wie oben beschrieben entsprechend vorbereitet werden.
