Beschreibung
Die Pflaume Zibarte (Prunus domestica ssp. prisca) zählt zu den ältesten Ur-Pflaumen (Primitivpflaumen) Europas. Funde zeigen, die Menschen nutzten sie schon in der Steinzeit. Man fand Fruchtsteine in steinzeitlichen Pfahlbauten am Bodensee, die von der Zibarte stammten. Seit spätkeltischer Zeit verbreitete sie sich in weiten Teilen Europas. Ihr ursprüngliches Zentrum liegt im Münsterland. Auch Hildegard von Bingen (1098–1179) schrieb über ihre Form und ihren Geschmack.
Im Mittelalter prägte die Zibarte vielerorts das Landschaftsbild, denn man pflanzte sie an Ackerrändern, auf Wiesen, in Hecken und rund um Bauernhöfe. Bis heute kennt man sie regional unter verschiedenen Namen. Als Zibärtle, Ziparten, Zippate, Ziber, Ziberl, Zibertl, Zibelle, Zwiferl, Seiberl, Seiferl, Gallerpflumle und als Scheißpfläumle ist sie bekannt.
Im Frühjahr blüht die Zibarte recht früh. Ihre einfachen, weißen Blüten erscheinen oft schon Ende April und bieten Bienen eine wichtige erste Nahrungsquelle. Bis zum Spätsommer entwickeln sich daraus runde Früchte. Sie haben etwa drei Zentimeter Durchmesser. Sie zeigen eine gelb-grüne Grundfarbe mit blauer Bereifung. Ihr Geschmack ist herb-süßlich und erinnert durch den hohen Gerbsäureanteil deutlich an Schlehen. Das Fruchtfleisch fühlt sich fest an, der Steinkern löst sich jedoch nicht eben leicht.
Nach dem ersten Frost sind die Früchte milder und lassen sich frisch essen. Sie eignen sich hervorragend für Marmelade, Saft, Likör. Man nutzt sie aber vor allem zum Brennen des bekannten Zibartenbrand und anderer Edelbrände. Deren Beliebtheit nimmt aktuell wieder stark zu. Das Destillat besitzt ein feines Aroma und zeigt einen leicht herben, typisch vollen Geschmack mit Marzipantönen.
Zibarte – Uralte und sehr robuste Pflaumensorte
Die Zibarte wächst als baumartiger Strauch, wächst mittelstark und ist sehr robust. Sie entwickelt sich zu einem Großstrauch mit mehreren Trieben oder zu einem kleinen Baum. Sie erreicht je nach Schnitt sowie Standort 3 bis 5 Meter Höhe, als Halbstamm sogar bis zu 6 Meter. Die Krone verzweigt sich dicht und wirkt rundlich. Die Zweige tragen in der Regel Dornen. Die Blätter zeigen ein frisches bis dunkles Grün und ähneln einer Mischung aus Pflaume aber auch Schlehe. Die kleinen bis mittelgroßen Blätter sind längsoval, leicht zugespitzt und am Rand fein gesägt. Ihre Oberfläche ist matt. Junge Triebe sind zunächst grün und werden später braun. Die veredelte Zibarte bildet als Herzwurzler ein standfestes Wurzelsystem und bringt regelmäßig gute Erträge.
Die Pflanzen befruchten sich selbst. Das Obst erreicht seine Genussreife von Mitte September bis Mitte Oktober. Die Früchte bleiben auch, wenn sie reif sind und die Blätter fallen, noch lange am Baum. Sie fallen erst nach starkem Frost ab.
Der Baum stellt wenig Ansprüche. Er wächst an sonnigen bis halbschattigen Orten und kommt auch mit rauen Standorten gut zurecht. Die Zibarte ist vollständig winterhart, verträgt einen Schnitt gut und zeigt wenig Anfälligkeit für Krankheiten. Sie verträgt Scharka problemlos. Ihr Wasserbedarf ist moderat. Sie eignet sich ideal für Natur- und Bauerngärten. Aber nicht nur ihr wertvolles Obst zeichnet sie aus, sondern sie hat auch einen hohen ökologischen Nutzen. Die frühe Blüte fördert das Insektenleben. Die Früchte und das dichte Geäst dienen darüber hinaus vielen Vogelarten als Nahrung und zum Schutz. Zibarten eignen sich außerdem auch als Veredelungsunterlagen für Pflaumen.
So verbindet die Zibarte ihre lange Kulturgeschichte mit hoher Robustheit und vielseitigem Nutzen. Sie bildet ein wertvolles Wildobstgehölz für Gärten, Hecken und naturnahe Pflanzungen.
Die hier angebotene Blaue Zibarte ist größer als die Gelbe Zibarte, erzielt dabei aber etwas weniger Ertrag.






